All rights reserved
Copyright © 2017

About us

In 2013 the artistic project KG Weltformat was set up to research the scientific work of Emanuel Goldberg (*1881 Moscow, †1970 Tel Aviv), former professor of Leipzig Art Academy, first general manager of Zeiss Ikon AG Dresden and founder of the Israeli company Goldberg Instruments Ltd. later Elbit Systems Electro-Optics Ltd. "In our reflection we take a photographic look at contemporary image production at the interface between art and science."
______

Abstract, 15. Februar 2015

Im Dialog mit dem Archivmaterial hat unsere Arbeitsgruppe bislang drei Ausstellungen unter dem Namen „Weltformat“ an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig realisiert, in denen wir uns mit unterschiedlichen Schwerpunkten des Nachlasses Emanuel Goldbergs beschäftigt haben. Im Rahmen der Ausstellungen ist eine 32-seitige Publikation im hochschuleigenen Institut für Buchkunst erschienen, die sowohl als Teil der Ausstellungen fungierte, als auch eine eigenständige Repräsentation des Archivmaterials darstellt.

Dabei versuchen wir das Sujet in einen zeitgenössischen Kontext kritisch zu überführen. Diese kuratorische Befragung an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft wird entlang der thematischen Schwerpunkte, der technisch-fotografischen Reproduktion, der Erforschung optischer Phänomene und der Beziehung zwischen bildgebenden Verfahren und des Blicks den sie auf die Welt ermöglichen, vor dem Hintergrund ihrer gesellschaftlichen Implikationen, geführt.

Der Umgang und die reproduktionstechnischen Probleme, sowohl in der Untersuchung, als auch der Vermittlung des Archivmaterials faszinieren uns besonders. Die Frage nach der Art und Weise des Umgangs mit einem wissenschftlich-technisch intendierten Nachlass, dessen Verständnis und Bedeutung sich in einem steten Wandel befindet, beschäftigt uns. Die Rezeption und Wirkung einer zeitgemäß überführten Reproduktion und Selektion des Materials untersuchen wir daher auf verschiedenen medialen Ebenen. Die unterschiedlichen Forschungsinteressen könnten ihren Niederschlag in einer mehrteiligen Publikation finden. Dies würde die Möglichkeit eröffnen, die vielschichtigen, interdisziplinären Auseinandersetzungen in einen Dialog mit konzeptioneller Gestaltung treten zu lassen.

Unsere Auseinandersetzung mit dem Archiv Emanuel Goldbergs macht nicht nur das breite Spektrum seiner wissenschaftlichen Methoden sichtbar, sondern auch deren künstlerisches Potenzial. Sie dokumentiert unsere Haltung gegenüber der Produktion und Vermittlung von technischen Bildern.

Es geht uns weniger um die Betrachtung des Materials als solches und dessen wissenschaftshistorische Bedeutung, als mehr um den produktiven Umgang damit und der Beschäftigung mit seinem vieldeutigen Schaffen, als Phänomen. Dabei interessiert uns die wechselseitige Beziehung zwischen wissenschaftlicher, technischer Entwicklung und der immanenten gesellschaftlichen Produktion von Geschichte. Der künstlerische Umgang mit solch einem reziproken Verhältnis bedeutet für uns dabei auch immer eine Befragung der Funktion bildgebender Verfahren und des Blicks den sie auf die Welt und Geschichte ermöglichen.

Was, aus gegenwärtiger Perspektive gesehen, die Betrachtung seiner Arbeit durch das Archiv hindurch ausmacht, führt zu einer Haltung, die sich bewusst ist über den veränderten Umgang mit Bildern in einer globalen Bildkultur, wobei gegenwärtig nicht nur aus der Perspektive des zeitlichen Jetzt zu deuten ist, sondern eben diese Reflexion der zeitgenössischen Muster von Bildproduktion und Verbreitung widerspiegelt. Gleichzeitig bietet das wissenschaftliche Schaffen Goldbergs die Grundherausforderung für das Verhältnis von Sehen und fotografischer Abbildung, von Sehen und Verstehen – von dem man meinen könnte, dass es sich heutzutage mehr und mehr auflöst – genau dieses Verhältnis schlägt sich in unserem künstlerischen Umgang mit seinem Archiv nieder. Der politische Subtext der Arbeit ist nicht nur in der Beschäftigung mit dem technischen Schaffen Goldbergs, in Hinblick auf militärische Zwecke sichtbar, sondern, allgemeiner ausgedrückt, das generelle Verhältnis von technischer Forschung und Krieg bis heute wird in dem Bewusstsein, dass der künstlerische Umgang mit Archiv-Material eine Politik des fotografischen Bildes beinhaltet, untersucht. Das kritische Potenzial der Arbeit, weniger einer Idee von Fotografie als Stellvertreter, als Illustration für komplexere Dynamiken folgend, behauptet durch den selbstreflexiven Umgang mit dem Material, der Konstruktion des Materials, eine Interpretation und Art und Weise, auf welche das Material zusammengedacht und vermittelt werden kann.

Die Arbeitsgruppe begreift die eigene künstlerische Produktion in der Auseinandersetzung mit dem Nachlass von Emanuel Goldberg als Teil und kritische Erweiterung des Goldberg Archivs.
______